Der Name einer Orthesenkonstruktion zur Skoliosebehandlung stellt keinen Standard dar. In der Praxis ist immer wieder zu beobachten, dass unter bekannten Namen funktionell mangelhafte Orthesenkonstruktionen an Patienten abgegeben und vom Kostenträger ohne ausreichende Kontrolle bezahlt werden.

Skoliose-Verlaufsdarstellung im RSC Brace Korsett: Die klinische und röntgenologische Korrektur ist überzeugend.

Trotz umfassender Informationsmöglichkeiten werden viele Patienten und deren Angehörige sowohl mit der Diagnose als auch mit der Therapieauswahl sowie Therapie allein gelassen. Dabei gilt es als verbreitet, wie wichtig adäquate Aufklärung und ein kompaktes Behandlungskonzept für die Skoliosetherapie ist.

Die Zahl der Betroffenen, die sich bei Wachstumsende mit großen kosmetischen und psychologischen Problemen aufgrund der großen Krümmungen und all den daraus resultierenden Pathomechanismen stellen müssen, könnte bei korrekter und vor allem rechtzeitiger Diagnose und umfassender Betreuung aller involvierten Berufsgruppen bedeutend geringer sein.

Welche Mittel gibt es für nichtspezialisierte Ärzte, Therapeuten und Orthopädietechniker, um etwas zu ändern?

Welche Möglichkeiten würden sich ergeben, wenn die in die Therapie involvierten Berufsgruppen sich mehr spezialisieren würden und auf ganzheitliche bewährte Versorgungssysteme zurückgreifen würden?

Für Patienten garantiert das RSC® Skoliose-Versorgungssystem Sicherheit, da nur geschulte, mit der Versorgung vertraute Fachleute behandeln.

Das RSC® Skoliose-Versorgungssystem

Das RSC® Versorgungssystem ist ein patentiertes Verfahren, welches mittels Computertechnik standardisierte und zugleich individuelle Rumpforthesen für Skoliose-Patienten generiert. Das System stellt anhand von Patientenmaßen die exakte CAD/CAM basierte Reproduktion eines Original-Korsetts nach Rigo sicher. Das biomechanische Design jedes krümmungsspezifischen Modells bleibt vollständig erhalten.

Hierfür werden die originalen selbstmodellierten Korsettpositivmodelle in einem speziellen Verfahren für die Ortholutions-Modelldatenbank digitalisiert. Zur Herstellung eines Korsettes sind spezifische Patientenmaße und Fotografien nötig, welche die individuelle Herstellung der Orthesen für jeden Patienten sicherstellen.

Für Skoliosetherapie-Experten werden das Erlernen der Versorgungsphilosophie sowie der theoretischen und praktischen Kenntnisse zur Ermittlung der spezifischen Daten und der fachmännischen Anpassung der Orthesen in einem mehrtägigen Ortholutions Original RSC® Workshop ausführlich vermittelt.

Die Patientendaten werden digital in eine sichere Datenbank geladen. Jedes Behandlungsteam hat einen eigenen sicheren Account. Die Datenbank ist als zentrale Kommunikationsplattform Dreh- und Angelpunkt für die Skolioseexperten. Darüber wird auch sichergestellt, dass für jeden Patienten, der ein Original RSC® Korsett erhält, eine individuelle Diagnose von Dr. Rigo gestellt wird. Die Diagnose beinhaltet die Modellbestimmung (Krümmungsklassifikation nach Rigo), die für die individuellen Krümmungstypen der Patienten erforderlich ist.

Die zur Anprobe vorbereiteten Korsettmodule werden zu den RSC® Kompetenzzentren gesendet und vor Ort von den entsprechend geschulten Teams angepasst. Anprobe-, Abgabe- und Verlaufskontrollen werden fortlaufend per Foto dokumentiert und in der Datenbank gesichert.

Darüber hinaus können komplexe Fragen und Komplikationen jederzeit mit dem Ortholutions Fachteam diskutiert und geklärt werden. Informationen und Problemlösungen werden direkt und schnell übermittelt. Das System gewährleistet über die Kommunikationsplattform, die geschulten Teams, und durch stetige Weiterentwicklung des Know-how eine maximale Versorgungssicherheit.

Das RSC® Gesamtpaket garantiert Sicherheit, da obligatorisch nur geschulte und mit der Versorgungstechnik und Versorgungsphilosophie vertraute Fachleute involviert sind. Die Rumpforthesen werden nur an zertifizierte Kompetenzzentren ausgeliefert oder selbst vom Hersteller angepasst.

Das Korsettversorgungssystem ist in ein international etabliertes Physiotherapieprogramm – das BSRS Barcelona Scoliosis Rehabilitation School Konzept – integriert, welches von Dr. Rigo basierend auf den Lehren von Katharina Schroth und Christa Lehnert-Schroth entstanden ist. Die Methode involviert auch Modifikationen der französischen Schule (6).

Fallbeispiel eines Behandlungsverlaufes

– in einem Zeitraum von 32 Monaten

Generell werden für die klinische Dokumentation (Maßnahme, Anprobe, Kontrolltermine) mindestens vier digitale Fotografien benötigt (4 klinischen Ansichten). Diese werden auf dem LASAR posture (Hersteller: Otto Bock) durchgeführt.

Das LASAR posture ermittelt anhand von Druckmessplatten den genauen Körperschwerpunkt und projiziert die tatsächliche Linie der Bodenreaktionskraft anhand eines roten Laserstrahles auf den Patienten. Das wichtige Hilfsmittel ermöglicht somit präzise Rückschlüsse auf die tatsächliche statische Ausgangssituation zu schließen.

Abbildung 1: Patientin mit einer 3 bogigen Krümmung, Gruppe A2 nach Rigo der Klassifizierung. Der Cobb Winkel der thorakolumbalen Hauptkrümmung beträgt 49°.

Klinisch sind die Asymmetrie des Rumpfes durch den Kollaps in die konkave Seite der thorakalen Krümmung sowie der Rippenbuckel selbiger gegenüber deutlich zu erkennen.

Die linke Schulter ist damit einhergehend nach caudal abgesunken.

Von der CSL (Central Sacral Line – vertikale Linie vom Zentrum des Sacrums) ausgehend ist der Überhang nach rechts bzw. die Prominenz des Beckens links zu erkennen.

Im Korsett ist der konkave Kollaps korrigiert. Um dies zu erreichen ist in der Frontalebene ein Dreipunktsystem erforderlich welches den sogenannten mirror effect erzeugt.

Die Patientin wird durch die Orthese überkorrigiert und ins Lot gebracht, der Rippenbuckel ist reduziert.

Zum öffnen der kollabierten thorakal konkaven Seite und zur Sicherstellung der dreidimensionalen Korrekturmechanismen muss durch die Korsettkonstruktion bei Krümmungen nach dem Typ A2 (3- bogig) die Schulter der thorakal konkaven Seite angehoben werden. Die thorakale Hauptkrümmung wird im Korsett auf 24° Cobb korrigiert. Auf der Röntgenaufnahme im Korsett ist zu erkennen, dass die Rippen der thorakal konkaven Seite im Vergleich deutlich aufgespreizt sind, die CSL zeigt auf, dass im Korsett der Überhang nach rechts beseitigt ist.

Abbildung 2: Klinisches Bild der Patientin nach 8 Monaten: die Rumpfsymmetrie ist markant verbessert.

Damit einhergehend ist der Kollaps der thorakal konkaven Seite signifikant reduziert und der Schulterstand ist ausgewogen.

Der Krümmungswinkel nach Cobb beträgt ohne Korsett 35°. Röntgenologisch ist die verbesserte und somit korrigierte Stellung der Rippen des konkaven Bereiches der thorakalen Krümmung zu sehen.

Das Krümmungsmuster hat sich verändert, deshalb wird mit einem Ortholutions Original RSC® Modul für den Krümmungstyp C1 nach Rigo orthetisch weiter behandelt.

Die Korrekturprinzipien erfordern aufgrund der veränderten Situation keine Verschiebung des Beckens, sondern wie zu erkennen ist eine zentrale Stabilisierung.

Die linke Schulter wird im Vergleich zum vorherigen A2 Korsettmodul weniger nach cranial angehoben.

Bei Betrachtung der Lotlinie, auch röntgenologisch, ist eine leichte Dekompensation nach links zu erkennen welche aufgrund der unterschiedlichen Steifigkeit der Krümmungen und den Korrekturdrücken der Orthese hervorgerufen wird. Die Hauptkrümmung wird im Ortholutions Original RSC® Korsett auf 18° Cobb korrigiert.

Abbildung 3: Das klinische Erscheinungsbild sowie die Erkenntnisse die sich aus dem Röntgenbild ableiten lassen zeigen nach 7 weiteren Monaten einen stabilen Zustand an.

Die Körperstatik ist fast ausgeglichen. Der Krümmungswinkel nach Cobb beträgt 37° ohne Orthese. Die Patientin wird mit einem Korsettmodul des Typs C1 weiterversorgt.

Wie auf der Darstellung im Korsett zu erkennen ist, wurde die linke axillare Anlage wiederum etwas erhöht um die thorakale Krümmung mehr zu deflektieren.

Es ist deutlich zu erkennen, wie in der Orthese anhand des Dreipunktsystems in der Frontalebene (Axillarpad, Thorakalpad und Lumbalpad) der Rippenbuckel reduziert und die damit einhergehend überkorrigierende posturale Deflexion erzeugt wird.

Abbildung 4: 12 Monate später zeigt sich klinisch eine etwas verschlechterte Situation. Das Becken ist links auffallend prominenter und darin impliziert ist ebenfalls der Kollaps der thorakal konkaven Seite deutlicher.

Bei Betrachtung des Schultergürtels ist zu erkennen, dass sich die linke Schulter im Vergleich mit Fig. 3 etwas abgesenkt hat. Das Röntgenbild bestätigt die neue Situation.

Bei unverändertem thorakalem Cobbwinkel entspricht das Krümmungsmuster wieder dem Zustand (dreibogig/Typ A2 nach Rigo) des Behandlungsbeginns.

Für die orthetische Folgeversorgung wird dem Krümmungsmuster entsprechend ein RSC® Modul des Typs A2 hergestellt.

Die Beckentranslation nach rechts und die Deflexion des thorakalen Segmentes produzieren die erforderliche posturale Überkorrektur (Mirror-Effekt). Bei Behandlungsbeginn sind die ausgeprägten Deformierungen der Wirbelkörper und Rippen röntgenologisch gut erkennbar. Die Progression der Strukturellen Deformierung der Rippen und Wirbel der thorakalen Krümmung wurde korrigiert.

Die Orthesenmodule haben die ungleichen axialen Ladungen auf die Wirbelkörper aufgehoben und so gleichmäßigeres Wachstum der knöchernen Strukturen ermöglicht.

Korrigierte Skoliose im Ortholutions Original RSC® Korsett

Abbildungen 5/6: Übersicht der Röntgenaufnahmen innerhalb des dargestellten Zeitraums von 32 Monaten. Die Korrektur der Rippen und der Wirbel zeichnet sich in der Wachstumsphase als stabil ab.

Die geringere Keilform der in die Krümmung involvierten Wirbel im speziellen des Scheitelwirbels ist durch zu den Deckplatten parallele Linien gekennzeichnet.