Skoliose Selbsthilfegruppe München

Interview Magazin RÜCKENzeit

Skoliose Experten im Interview

Wie kamen Sie und Ihre Geschäftspartnerin
Jenny Schmid zum Berufsbild „Orthopädietechniker“,
—und was motiviert Sie heute noch in diesem Beruf?

Dino Gallo

Ich wollte handwerklich und mit Menschen über einen sozialen Hintergrund arbeiten. Das Berufsbild des Orthopädietechnikers vereinbarte damals viele dieser Aspekte. Ich habe eine umfangreicher Ausbildung in einem klassischen Sanitätshaus durchgeführt, die ein solides Fundament für meinen weiteren Werdegang war. Nach meiner Ausbildung habe ich von Anfang an im Bereich der Kinderorthopädie in spezialisierten fortschrittlichen Firmen und Spezialkliniken gearbeitet.

(der weitere Berufliche Werdegang: Orthopädietechniker-Meister und Diplom zum zertifizierten Orthetiker und Prothetiker CPO/D, Leitung Kinderorthetischen Abteilung einer renommierten Orthopädietechnik, Auslandsaufenthalt in Australien: Leitung der Klinikwerkstätte des John Hunter Hospital in Newcastle NSW, Gründung Ortholutions und Entwicklung des technischen Systems zur computergesteuerten Umsetzung des RSC® Brace Behandlungssystems.)

Jenny Schmid:

Mein Berufswunsch war im Medizin-Technischen Bereich, kreativ und mit Menschen zu arbeiten. Meine Ausbildung konnte ich glücklicher Weise in einem renommierten und klassischen Unternehmen in der Univ. Klinik München Großhadern absolvieren. Hier wurde mir die volle Bandbreite des Berufsbildes aufgezeigt - jeder Tag war anders. Bereits nach wenigen Wochen wusste ich, das ist der richtige Beruf für mich. Nicht zuletzt weil handwerkliche Fähigkeiten gefragt sind, sondern eine gute Organisation und Planung wichtig sind und immer wichtiger wird.

(Nach meiner Ausbildung ging ich als Orthopädietechnikerin für ein paar Jahre in die USA und anschließend wieder zurück nach Deutschland, wo ich seither im Bereich Klinikbetreuung, Kinderorthopädie und Organisation (Ausstellungen, Messen, Kontakte) arbeitete. Einige Jahre später lernte ich Dr. Rigo bei einem Seminar kennen und so entstanden erste Bande für unsere heutige enge Kooperation und Zusammenarbeit. Meine Stärke bestand seit jeher darin Menschen zum richtigen Zeitpunkt einander näher zu bringen. Sich in mein gegenüber emphatisch einzufühlen und seine Position gut nachvollziehen zu können. )

Die Motivation ist jedem Patienten die bestmögliche orthopädietechnische und medizinische Versorgung und Beratung sicherzustellen. Wir reflektieren unsere Arbeit und Ergebnisse regelmäßig und versuchen aufgrund der resultierenden Erkenntnisse unsere Arbeit und Dienstleistungen am Patienten zu verbessern .

Dies erzielen wir durch Spezialisierung und fortschrittliche Technologien. Durch die Zusammenarbeit mit anerkannten internationalen wissenschaftlichen Gruppen werden wir immer gefordert und können andererseits unser eigenes Fachwissen präsentieren. All diese Erkenntnisse fließen direkt in unsere Tägliche Arbeit und so zu unseren Kunden und Patienten, die unmittelbar davon profitieren.

Worin sehen Sie Ihre größte Herausforderung?

Die größte Herausforderung heutzutage ist, die Kostenträger (KK) davon zu überzeugen, dass nur spezialisierte unternehmen Arbeiten durchführen sollten die nachweislich die entsprechende Fachkompetenz haben.

Unser Engagement gilt der transparenten Darstellung der Behandlungsabläufe sowie der wissenschaftliche Darstellung der Ergebnisse unseres Behandlungskonzeptes. Wir versuchen die Vorteile der spezialisierten Arbeitsweise mit Konzept darzustellen. Es ist nicht nötig das Rad neu zu erfinden, sondern erwiesene Therapie-Konzepte und orthopädietechnische Systeme diszipliniert und kontrolliert umzusetzen. Hier sollten alle beteiligten vom Verornder über den Leistungserbringer bis zum Kostenträger objektiv zusammenarbeiten. Das würde natürlich auch Kosten reduzieren.

Unternehmensphilosophie

Ihr Slogan lautet Die Konzentration auf das Wesentliche, wie würden Sie diesen Leitsatz genauer beschreiben?

Da gibt es -wie der Leitsatz schon sagt- nicht viel hinzuzufügen. Wir konzentrieren uns auf das was der Patient und unsere Fachkunden von uns erwarten: den besten Service und Qualität zu liefern der im Bereich Skoliose erforderlich ist. D.h. jeder, Fachkunden und Patienten, können sicher sein dass sie von unserem Fachwissen und der Technologie direkt profitieren. Wir versuchen uns in unserer täglichen Arbeit technisch und fachlich stetig zu verbessern und setzen neue Erkenntnisse unmittelbar um.

Welche Serviceleistungen kann der Skoliosepatient von Ihnen erwarten?

Wir betreuen Skoliose Patienten in allen orthopädietechnischen und therapeutischen Belangen. Viele Patienten lassen sich neben der Korsettversorgung Beraten welche Physiotherapie erforderlich ist oder wie und wann Ärzte Röntgenaufnahmen durchführen sollen. die Patienten bekommen bei uns nicht nur ein Produkt, das Korsett, sondern sie nehmen auch gerne die Erfahrungen und Anleitungen aus unserem Behandlungsprotokoll in Anspruch.

Leider ist der Großteil der Patienten und deren Familien mit der Diagnose Skoliose völlig allein gelassen. Wer zu uns oder unseren Partnern kommt kann sich sicher sein dass wir in fast allen Anliegen eine kompetente Beratung sicherstellen.

Über das Netzwerk mit unseren Kollegen, von Physiotherapie bis Selbsthilfe, von psychologischer Unterstützung bis zu medizinischer Beratung und Freizeitgestaltung, informieren sich die Patienten und Familien bei uns oder unseren Partnern, den sog. RSC® Kompetenzzentren..

Worin sehen Sie Ihre besonderen Stärken im Qualitätsmanagement?

Alle Patienten die ein RSC® Brace bekommen erhalten damit auch die maximale Behandlungssicherheit. Das bedeutet das Korsett ist orthopädietechnisch und therapeutisch genau ihren individuellen Anforderungen entsprechend hergestellt. Hierfür wird jedes Korsett nach dem speziellen patentierten Verfahren von Ortholutions hergestellt. Allen Prozesse werden ausschließlich von geschulten Fachleuten durchgeführt. Über die Ortholutions Datenbank stellt der Skolioseerxperte Dr. Rigo die exakte Krümmungsklassifizierung und Modellbestimmung für jeden einzelnen Patienten.

Das RSC® Brace gibt es nur bei Ortholutions oder zertifizierten Fachbetrieben. Außerdem wird es immer mit einem Siegel und einem Zertifikat ausgeliefert, dass die Echtheit garantiert. Das sollte sicherheitshalber immer geprüft werden. Leider gab es in der Vergangeheit immer wieder Fälle bei denen Patienten getäuscht wurden.

Interdisziplinäre Arbeit

Wie gewährleisten Sie eine perfekte Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten wie Ärzten, Therapeuten, Kliniken und Eltern? Das Schlüsselwort ist die Kommunikation. Um die Zusammenarbeit effektiv zu halten kommunizieren alle beteiligten über die Ortholutions-Datenbank die als Kommunikationsplattform die Zentrale Funktion hat. Hier werden alle Fragen zur Behandlung über moderne Kommunikationsmedien schnell und fachkundig geklärt.

Internationaler Ansatz

Sie arbeiten international mit Experten im Bereich der Skoliose-Therapie, wie sieht diese Zusammenarbeit aus?

Die Zusammenarbeit mit internationalen Experten wie Dr. Manuel Rigo, Dr. H.R. Weiß und vielen anderen Ärzten, Therapeuten und Orthopädietechnikern immer eine große Herausforderung. Es ist sehr wichtig, dass man die Kontakte pflegt und die Kommunikation auf hohen fachlichen Level hält. Seit 2004 treffen sich alle namhaften Fachleute auf der internationalen SOSORT Konferenz.

Sie ist die perfekte Plattform um mindesten einmal im Jahr alle wichtigen Kollegen zu treffen. Hier werden Versorgungsstandards und Richtlinien wissenschaftlich definiert und fließen in unsere täglich Arbeit ein. Natürlich gibt es zu vielen Kollegen enge Kontakte. Der Austausch mit ihnen gehört ganz normal zum Alltag. Dr. Rigo ist seit 15 Jahren medizinischer Berater von Ortholutions.

Wie wird Ihre Arbeit durch die wissenschaftlichen Erkenntnisse im Bereich Forschung und Entwicklung beeinflusst?

Neue Erkenntnisse tragen dazu bei uns immer wieder selbst zu prüfen. Auch wenn man sich und seine Arbeit immer reflektiert sind Ansätze von aussen wichtig um eigen Sichtweisen und Erfahrungen besser prüfen oder gar bestätigen zu können.

Werden Skoliosen im Ausland anders behandelt als in Deutschland?

In den meisten Ländern ist der Versorgungsstandard bei Skoliose ziemlich schlecht. Die Patienten werden mit ausgeklügeltem Marketing und psychologisch manipuliert. Gerade in den USA steht der Profit extrem im Vordergrund. Fachkompetenz wird vorgetäuscht und Methoden werden propagiert die völlig wirkungslos sind. Die Patienten und Familien haben allerdings oft aus finanziellen Gründen oft keine andere Wahl als solche Kompromisse einzugehen.

Der Rumpforthesen markt wird mittlerweile mit vielen Namen überschwemmt. Seit dem sich die USA erkannt hat dass in Europa gute erfolge erzielt wurden werden immer mehr Namen wie Chêneau oder Rigo für Orthesen verwendet, die nicht im entferntesten etwas damit zu tun haben. Leider ist das in Deutschland aber auch immer noch so.

Langfristiges Ziel des Patienten ist es, aktiv ein Muskelkorsett aufzubauen.
Sehen Sie das auch so und welche Therapien und Sportarten empfehlen Sie den Patienten?

Als Therapie ist nach meinem Wissen die Schroth-Therapie oder die darauf basierende Barcelona Scoliosis Physiotherapy School (BSPTS) nach Rigo am ganzheitlichsten und sinnvollsten.
Nach den Experten kann grundsätzlich jeglicher Sport ausgeübt werden. Sportarten, die starke stöße auf die Wirbelsäule verursachen, wie beispielsweise Trampolinspringen o. ä. sollten allerdings unterlassen werden.

Sie besuchen regelmäßig Fachmessen, welche neuen Ansätze und Trends können Sie erkennen?

Neue Technologien suggerieren den Orthopädietechnikern dass Skolioseversorgungen mit sog. CAD CAM Systemen sehr wirtschaftlich und unkompliziert durchzuführen sind. Ich sehe das sehr kritisch denn solche Systeme sind zwar sinnvoll für die Produktion der Orthesen, ersetzen aber in keinem Fall die hohe Fachkompetenz die zur Behandlung von Skoliosepatienten erforderlich ist.

Leider entwickeln wir uns in der Branche immer mehr zu Fabriken die massenhaft Stückzahlen produzieren ohne dass jemand hinterfragt ob der Patient auch ordentlich fachkompetent versorgt wurde.

Persönliches

Wir freuen uns über einen persönlichen Gruß an unsere Leser!

Liebe Leserinnen und Leser der RückenZeit.

Es ist für uns eine große Ehre und Freude zugleich die Möglichkeit zu haben unser Unternehmen und unsere Arbeit vorzustellen. Menschen und Medien, die sich für Information Transparenz einsetzen, sind für Betroffene von großer Wichtigkeit um sich ein Bild über die therapeutischen Möglichkeiten machen. Wir leben in einer Gesellschaft die Informationen und Weisheiten über sämtliche Medien rasch berbreitet. Wem oder was zu vertrauen ist kann der betroffene nur schwer herausfinden.

Gerade bei Skoliose ist der Handlungsspielraum auf einen kurzen Zeitraum begrenzt. Um so wichtiger ist es von Beginn an die richtige Entscheidung zu treffen. Menschen wie Frau Gabriel tragen mit unglaublichem Engagement dazu bei, diese Informationen und Möglichkeiten zu filtern. Ebenso sind echte Alternativen zu festgefahrene Strukturen erforderlich. Nur so können Betroffenen ein klarerer Weg und echte Möglichkeiten aufgezeigt werden.

Wir wünschen dem Rückenwind-Magazin viel Erfolg und den Lesern viele positiven Impulse.

Jenny Schmid, Dino Gallo | Ortholutions

(Das Gespräch führte Iris Gabriel.)